Mongolia Bike Challenge 2010
Eigentlich wollten sie ja nur das August-Loch im MTBO-Kalender stopfen und halt irgendein Etappenrennen machen. Aber Tobias Breitschädel entdeckte Anfang Februar in einem winzigen Zeitungsartikel die Mongolia Bike Challenge und riss Kevin Haselsberger und Michaela Gigon mit. Also beschäftigten sich die drei MTBO-Nationalteamfahrer nach der WM mit der Besorgung von warmen Schlafsäcken, superleichten Liegematten und dem Austüfteln, wie man am besten ein zehntägiges MTB-Rennen über 1400km mit 14000Hm überleben kann. Aufstehen um 5:30 Uhr, Übernachtung in Zelten und die tägliche kalte Dusche gehörte zum Programm. Insgesamt etwa 90 Teilnehmer aus 11 Nationen wagten das Abenteuer.
Die Landung in Ulaan Baatar war schon der erste Kulturschock. Eine total verrückte Stadt mit einem Mix aus Jurten und Hochhäusern. Am Anfang denkt man noch, die Straße vom Flughafen zur Stadt ist schlecht. Aber da hat man noch nicht realisiert, dass es im restlichen Land keine Straßen gibt. Nach dem sechsstündigen Transfer in russischen Minibussen zum Start über Waschbrettpisten in verschiedensten Zuständen waren alle froh, am nächsten Tag nicht mehr im Auto sitzen zu müssen. Man hatte das Gefühl, den gefährlichsten und unangenehmsten Teil der Tour hinter sich zu haben.
Beim Verpflegungsposten nach der Hälfte der ersten Etappe schaute es eigentlich auch noch recht locker aus. Aber ein zunehmender Sturm - Gegenwind natürlich - machte die zweite Hälfte um einiges länger als erwartet und ein spontan zusätzlich eingeschobener Wasserstopp etwa 10km vor dem Ziel rettete einige Fahrer vor dem Verdursten. Wenn man mit 6 km/h bergab fährt, dann rückt das Ziel in unendliche Ferne. Die zweite Etappe erfreute die Fahrer mit leichtem Rückenwind, dafür musste man sich durch teilweise unfahrbaren Sand kämpfen. Das Ziel thronte malerisch auf weißen Felsen, die man mitsamt Zielbogen schon aus 15km Entfernung sah. Kevin Haselsberger meisterte die beiden ersten Etappen am besten und wurde zweimal 14. Tobias musste, nachdem er sich am ersten Tag etwas übernommen hatte, am zweiten Tag beim letzten Getränkeposten aufgeben und den Bus ins Ziel nehmen. Michaela Gigon fuhr mit zwei soliden Rennen zwei vierte Plätze ein.
Die dritte Etappe wurde in der Früh wegen Sandsturms abgesagt. Also die Räder aufs Auto und ab ins nächste Etappenziel. Die drei Österreicher hatten das Zeltauf- und -abbauservice gebucht und brauchten sich daher nicht um das Wegpacken der fast davonfliegenden Zelte kümmern. Kevin hatte ein riesiges Glück, dass diese Etappe nicht stattfand, denn in der Nacht hatte er sein Abendessen auf verschiedenen Wegen wieder von sich gegeben und wäre wohl kaum in der Lage gewesen, ein Rennen zu fahren. Der Sturm besserte sich auch am nächsten Tag nicht wirklich, also wurde noch ein Stück mit dem Auto und eine verkürzte Etappe von etwa 55km gefahren. Windschattenfahren war essenziell, wenn man irgendwie weiterkommen wollte. Man kann sagen, dass man auf den versäumten 1 ½ Etappen nicht gar so viel verpasst hat, denn dort war nur flache Wüste, die 100km weiter auch nicht anders aussah. Jetzt war man endlich auf dem Berg, was zwar eine kühle Nacht bescherte, aber auch etwas mehr Abwechslung fürs Auge bot. Die 5. Etappe ging dann wieder hinunter in die Wüste mit einer spektakulären Sanddüne am Horizont. Als Belohnung wartete eine Nacht in einem Jurtencamp mit warmer, aber nur tröpfelnder Dusche.
Nach einem Ruhetag mit einem etwa 10stündigen Autotransfer ging es endlich in die richtigen Berge. Das Höhenprofil der 6. Etappe war einfach: nur stetig bergauf mit einem steilen Schlussstück. Nach den ersten 20km in denen man so viel Staub schluckte, dass 20 Jahre städtischer Feinstaub vernachlässigbar sind, wurde es etwas grüner. Die Kamelherden wurden durch Yakherden ersetzt und die Jurtendichte stieg auch. Die siebente Etappe war die Königsetappe: 126km mit über 2000Hm warteten. Endlich gab es auch MTB-technische Herausforderungen mit gerölligen Downhills. Optimal für die Östereicher: Michaela Gigon holte sich hier überlegen den Etappensieg bei den Damen und Tobias Breitschädel wurde 12. Kevin laborierte noch immer an seinen Verdauungsproblemen.
Der Morgen der 8. Etappe überraschte mit einer dünnen Schneeschicht. Nachdem einige Bachquerungen durch hüfttiefe Bäche auf dem Programm standen und die Strecke auf fast 3000m hinaufging, wo dann bis zu 30cm Schnee lagen, wurde an diesem Tag wieder Auto gefahren. Zumindestens bergauf. Denn bergab mussten die Teilnehmer aus Sicherheitsgründen zu Fuß gehen. An diesem Abend gab es zum ersten Mal Bäume im Camp und ein Lagerfeuer an dem man sich wärmen konnte. Das war vor allem in der Früh angenehm, da die neunte Etappe bei Temperaturen unter 0°C gestartet wurden. Es wurde nach der ersten kalten Bachdurchquerung aber schnell wärmer, denn eine Bergwertung stand gleich danach auf dem Programm. Die Bachquerungen am Schluss dieses Tages waren überraschend angenehm. Grund waren die warmen Quellen in dieser Region, die Bäche mit Warmwasser entspringen lassen. Tobias und Kevin liefen beide zu ihrer Höchstform auf und wurden 7. und 9. auf dieser langen Etappe über 144km. Kevin verhaute ein noch besseres Resultat, weil er in einer Ortschaft, wo der Wegweiser gestohlen worden war, eine Abzweigung verpasste. Generell wurden die Wegweiser immer weniger, weil die Bevölkerung dieses fast baumlosen Landes, alles was aus Holz ist gut gebrauchen kann. Zum Start der letzten Etappe durften sich die Teilnehmer noch mit frischer Yakbutter, gegorener Stutenmilch und Kuchen, die in einer Zeremonie dargeboten wurden, stärken. Kevin und Tobias attackierten am Anfang mit dem Ziel: Erste Bergwertung gewinnen und dann sterben. Es reichte weder für das eine noch für das andere, aber ein 3. Platz in der Bergwertung ging sich für Kevin aus. Nachdem bei den Damen die Zeitunterschiede in der Gesamtwertung zu groß waren, um noch Plätze gutmachen zu können, fuhren die ersten vier ein nettes gemeinsames Rennen.
Am nächsten Abend wurden in Ulaan Baatar noch die Finisher T-Shirts an alle verteilt, die alle Etappen unter der Maximalzeit zu Ende gefahren waren, und die Sieger geehrt. Der große Sieger war Marzio Deho aus Italien, der fast alle Etappen gewonnen hatte. Bei den Damen siegte Stefania Valsecchi, auch aus Italien. Michaela Gigon erreichte den 2. Platz in der bei den Damen. Kevin Haselsberger wurde 10. in der Kategorie Sportman, Tobias Breitschädel 14.
Ergebnisse: www.mongoliabikechallenge.com/en/encarrera.php
Fotos: http://picasaweb.google.de/michigigon/MongoliaBikeChallenge2010